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Neale Donald Walsch reiht sich nahtlos in die Reihe außergewöhnlicher Zeitgenossen mit außergewöhnlicher Biografie – inklusive Erweckungserlebnis – ein. „Gespräche mit Gott“ ist am Tiefpunkt seines Daseins als Reaktion eines wütenden Briefes an Gott entstanden, zu einer Zeit, in der Walsch scheinbar alles verloren hatte. Dass dieser Zeitpunkt gleichzeitig den Anfang markierte, der sein Leben grundlegend verändern würde, war ihm damals noch nicht klar.

 

Das Ergebnis ist jedenfalls beeindruckend. Und ich denke, wir sollten uns gar nicht auf die völlig unpassende Frage, ob Gott jetzt wie was getan hat, einlassen. Denn der Punkt ist ja ein anderer, und der ist der Inhalt. Und das ist auch die Essenz des Buches. Es geht nämlich, um die grundlegende Frage, welche Bedeutung eine göttliche Kraft in unserem Leben spielen darf, kann und soll. Und ob Religion als Regulativ zwischen dem Menschen und dieser höheren Macht einschreiten bzw. auftreten soll.

Schon nach kurzer Zeit wird klar, wohin die Reise geht. Der Gott, der uns hier begegnet, ist kein Gott der Konventionen oder auch Religionen. Nein. Gott spricht hier Klartext. Ich habe mich beim Lesen immer wieder an Jesus erinnert gefühlt, der in seinem Leben auch immer wieder authentisch gezeigt hat, dass Liebe nichts für Weicheier ist. Schließlich hat er sich für seine Botschaft sogar ans Kreuz nageln lassen, nur damit allen klar wird, wie bedingungslos seine Liebe ist.

Dementsprechend räumt auch Gott mit allen schwammigen und tradierten Bildern auf. Übrig bleibt ein überraschend humorvoller und kompromisslos liebevoller Gott, die(!) uns radikal und gleichzeitig immer wohlwollend die Augen öffnet. Dass dabei die Religionen nicht gut wegkommen, ist nur logische Konsequenz.

Überraschungen hat Gott in der langen Bearbeitung der vielen Fragen, die Walsch stellt, aber auch zu bieten. So habe ich zum Beispiel noch nie eine so schlüssige und einleuchtende Erklärung für die Ebenbürtigkeit des Menschen mit Gott und auch die Dreifaltigkeit gelesen. Daraus ergibt sich dann auch eine klare Notwendigkeit der Welt in ihrer Mannigfaltigkeit und Vielschichtigkeit.

Es ist auch sehr klar und verständlich, wie Gott erläutert, warum er nicht in den Alltag seiner perfekten Schöpfung eingreifen kann und will, und warum es auch für ihn/sie keinen anderen Weg gibt, um sich als göttliches Prinzip wieder selbst zu erfahren. Was uns auch wiederum zum Sinn unserer Reise zurückführt, die ja auch in der eigenen Göttlichkeit gipfelt.

 

Wenn das mal keine guten Nachrichten sind. Halleluja! Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf Buch 2!