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Im heutigen Blogcast geht es darum, wie uns unser Verstand mit seinen Geschichten ins Leiden täuscht:


?Leiden ist der größte Zaubertrick menschlicher Existenz. Nichts hält uns so sehr im Bann. Bis wir entdecken, dass die Wahrheit magischer ist als jede Täuschung.?


Es gibt kaum eine Täuschung, die unentrinnbarer scheint als das Leiden. Penetriert es uns doch von zwei Seiten. 


Da ist einmal die Kultur, die den Opferstatus hochhält, und dann ist da auch noch der Körper, dessen Schmerzen uns nicht nur warnen, sondern auch zu Boden strecken.


Ich war noch ein Kind, als mein großer Zehennagel so tief eingewachsen war, dass mein Arzt entschied, ihn chirurgisch zu entfernen. Deshalb erhielt ich eine lokale Betäubung direkt in die Zehe. Doch als der Arzt begann zu schneiden, schrie ich vor Schmerzen auf. Er spritzte daraufhin noch mehr Narkotikum in die Zehe, doch wieder stoppte ihn mein Aufschreien. Dieses Spiel wiederholte sich ein paar Mal. Bis der Arzt eine Idee hatte. Er holte seine Sprechstundenhilfe ins Behandlungszimmer, mit der Anweisung, dass sie sich an mein Kopfende setzen sollte, um beruhigend mit mir zu sprechen. Und siehe da. Ich spürte nichts mehr.


Wir lassen uns alle täuschen, selbst wenn wir von der Täuschung wissen. Auf diesem Prinzip funktionieren nicht nur soziale Medien und ihre Algorithmen, sondern unsere gesamte Gesellschaft.


Ram Dass begleitete eine Zeit lang viele Menschen beim Sterben. Einige von ihnen litten unter chronischen Beschwerden. Eine Frau, die so heftige Schmerzen hatte, dass selbst Medikamente nicht mehr halfen, erzählte ihm ? kurz vor ihrem Tod ?, dass sie zwar noch alles genau so spürte wie zuvor, nur dass sie sich noch nie so wohl gefühlt hatte wie jetzt.


Sie hatte letztlich alles, was sie zurückhielt, losgelassen.


Ich sehe für mich keinen anderen Weg mehr als eine Existenz, die dem Leiden den Boden entzieht. Und auch wenn sich die Übergangsphase anfühlt, als wäre ich eine Lampe mit Wackelkontakt, weil immer wieder mein Leuchten im Gewirr der Stimmen meines Egos erlischt, erlebe ich immer mehr Phasen des Lichts.


Wenn mich dann seltsame Gedanken in meinem Kopf von etwas anderem überzeugen wollen, weiß ich, dass es ganz klar ist, was die Wahrheit ist.


Denn nur, wenn ich mich wohl in meiner Haut fühle, weil die Liebe mich führt, bin ich in der Wirklichkeit angekommen.


Alles andere ist nur Ablenkung. 


In Liebe

Dein Wolfgang


PS: Wie immer freue ich mich, von dir zu hören, unter wolfgang,neigenfind@visionbord.com. Ich stehe auch gerne für ein unverbindliches Gespräch zur Verfügung.